„Same procedure as last year?” 

Nein, für mich gehört „Dinner for one” nicht zu einem gelungenen Silvesterabend dazu. Wohl aber das Lied „Von guten Mächten wunderbar geborgen“ von Dietrich Bonhoeffer. Gerne höre ich das Lied um Mitternacht, beginne das neue Jahr mit einem Gebet und bitte darum, die kommenden zwölf Monate in diesem Vertrauen auf Gott leben zu können.

Der evangelische Theologe Dietrich Bonhoeffer hat das Gedicht zu Weihnachten 1944 für seine Verlobte, seine Eltern und Geschwister geschrieben, als er selbst im Gefängnis saß. Es ist zu spüren, wie sehr er sich am Weihnachtsfest und zum Jahreswechsel mit den Menschen verbunden fühlt, von denen er durch Gefängnismauern getrennt ist. Gleichzeitig drückt das Gedicht einen tiefen Glauben und ein großes Vertrauen in Gott aus. Mit Blick auf die Entstehungsgeschichte ist dies umso beeindruckender. Dietrich Bonhoeffer schreibt in der Haft, wenige Monate vor seiner Hinrichtung. Gefangengehalten und unterdrückt von einer bösen Macht, fühlt sich der Dichter getragen und gehalten von den guten Mächten Gottes.

Weitere Informationen zur Entstehung des Gedichtes finden Sie hier. Hören können Sie das Lied hier.

Mit dem Gedicht / Lied wünsche ich Ihnen und allen, mit denen Sie (im kleinen Kreis) feiern, nun einen schönen Silvesterabend und einen guten, vertrauensvollen Übergang ins neue Jahr!

Gemeindereferentin Daniela Reineke
(in: Botschaften - gehen in den Kopf, fallen ins Herz)

 

Von guten Mächten treu und still umgeben,
behütet und getröstet wunderbar,
so will ich diese Tage mit euch leben
und mit euch gehen in ein neues Jahr.

Noch will das alte unsre Herzen quälen,
noch drückt uns böser Tage schwere Last.
Ach Herr, gib unsern aufgeschreckten Seelen
das Heil, für das du uns geschaffen hast.

Und reichst du uns den schweren Kelch, den bittern
des Leids, gefüllt bis an den höchsten Rand,
so nehmen wir ihn dankbar ohne Zittern
aus deiner guten und geliebten Hand.

Doch willst du uns noch einmal Freude schenken
an dieser Welt und ihrer Sonne Glanz,
dann wolln wir des Vergangenen gedenken,
und dann gehört dir unser Leben ganz.

Lass warm und hell die Kerzen heute flammen,
die du in unsre Dunkelheit gebracht,
führ, wenn es sein kann, wieder uns zusammen.
Wir wissen es, dein Licht scheint in der Nacht.

Wenn sich die Stille nun tief um uns breitet,
so lass uns hören jenen vollen Klang
der Welt, die unsichtbar sich um uns weitet,
all deiner Kinder hohen Lobgesang.

Von guten Mächten wunderbar geborgen,
erwarten wir getrost, was kommen mag.
Gott ist bei uns am Abend und am Morgen
und ganz gewiss an jedem neuen Tag.

Dietrich Bonhoeffer, Von guten Mächten, in seinem Brief an Maria von Wedemeyer aus dem Kellergefängnis des Reichssicherheitshauptamts in Berlin, Prinz-Albrecht-Straße, 19. Dezember 1944

Bild: pfarrbriefservice.de/Martin Manigatterer