1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland

Lebenszeichen - eine Ausstellung von Mitgliedern der Künstlergruppe K14 zum Themenjahr
in der Herz-Jesu-Kirche in Paderborn (Riemekestraße 1A, 33102 Paderborn) vom 24. Oktober bis 16. Dezember

Seit 1700 Jahren gehört jüdisches Leben als fester Bestandteil zu Deutschland, daran wird in diesem Jahr in besonderer Weise gedacht. Seit 1700 Jahren leben Menschen jüdischen Glaubens unter uns. In vielen Veranstaltungen wird jüdisches Leben in Geschichte und Gegenwart sichtbar und erlebbar gemacht. Und diese Geschichte ist wechselvoll. Sie ist von Zäsuren und Brüchen, von Verfolgungen und Ausgrenzungen gekennzeichnet, aber genauso eine Geschichte der Vielfalt und der Bereicherung in allen Lebensbereichen, mit großen Leistungen in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft, in Wissenschaft und Kultur. Wer dieser Bereicherung durch Persönlichkeiten deutsch-jüdischer Abstammung nachspürt, trifft auf bedeutende Namen wie Albert Einstein, Karl Marx, Else Lasker-Schüler, Heinrich Heine, Felix Mendelssohn Bartholdy und Hannah Arendt.

1945 schien die deutsch-jüdische Geschichte fast beendet. Angesichts der Verbrechen des Nationalsozialismus, die auf grausame Weise sechs Millionen Juden getötet und ungezählte ins Exil vertrieben haben, stellte Rabbiner Leo Baeck, einer der wichtigsten Führungspersönlichkeiten des deutschen Judentums im 20. Jahrhundert, 1945 fest: „Für uns Juden in Deutschland ist eine Geschichtsepoche zu Ende gegangen. (…) Unser Glaube war es, dass deutscher und jüdischer Geist auf deutschem Boden sich treffen und durch ihre Vermählung zum Segen werden könnten. Dies war eine Illusion – die Epoche der Juden in Deutschland ist ein für alle Mal vorbei.“ (Zitiert nach Dr. Josef Schuster zur Eröffnung des Gedenkjahres)

Und auch heute erleben Jüdinnen und Juden Anfeindungen. Angriffe auf Synagogen wie in Halle, tätliche Angriffe auf jüdische Mitbürger, die Kippa tragen und Beschimpfungen sind keineswegs Einzelfälle. Und unter nicht wenigen Jugendlichen gilt „Du Jude“ als Schimpfwort.

Trotz alledem können wir in diesem Festjahr feststellen: Die Zeiten haben sich geändert. Dass heute wieder 225.000 Jüdinnen und Juden unter uns leben und seit 15 Jahren wieder Rabbiner in Deutschland ordiniert werden, ist Grund zur Dankbarkeit und zur Freude. Und so will dieses Festjahr einen Beitrag leisten, jüdischem Leben in Deutschland eine gute Zukunft zu geben.

Die Bielefelder Künstlergruppe K14 beteiligt sich an diesem Festjahr. So hat sich der Bildhauer und Holzkünstler Gottfried Strathmeier auf Spurensuche begeben und in der Auseinandersetzung mit dem Münsteraner Mundartdichter Eli Marcus zwei Holzskulpturen geschaffen, die kraftvoll und fragil zugleich wirken und dadurch an den Spannungsbogen erinnern, unter dem auch die Geschichte des Judentums in Deutschland steht.

Großformatige Fotos von Grabsteinen auf jüdischen Friedhöfen von Theodor Rotermund erinnern schmerzhaft an die Verbrechen der Nationalsozialisten, die Millionen von Menschen töteten, verbrannten und ihre Asche unwürdig verscharrte, um sie ohne Grabstelle dem Vergessen anheim zu geben wollte.

Der Film von Bernd Ackehurst zu fiktiven Stolpersteinen hingegen lenkt den Blick auf die Gewalt, die unter uns lebende jüdische Mitbürger*innen heute noch erleben.

Und Mona Schäfer nimmt mit einer Laubhütte und Informationen zum jüdischen Leben den, die Betrachter*in tief in die Geschichte des jüdischen Volkes mit, als dieses auf der Wüstenwanderung noch heimatlos auf dem Weg aus der Sklaverei in die Freiheit in einem ihm eigenem Land war. Das erinnert an Vertreibungen und Exilerfahrungen, die bis heute eng mit der Geschichte des jüdischen Volkes verbunden sind.

Projekten wie diesem ist es zu verdanken, dass das Festjahr zur Auseinander-setzung mit dem jüdischen Leben in Deutschland anregt, um die Bereicherung unserer Kultur durch jüdische Einträge immer wieder neu zu entdecken. Und die Erinnerung an die bedrückende Geschichte der Gefährdungen, unter dem das Judentum bis heute steht, ist unverzichtbar, um dem Antisemitismus entgegen zu treten. Neues entdecken und an Altes erinnern, die Künstlergruppe K14 hat einen wertvollen Beitrag zum Festjahr gestaltet, das dem Judentum eine gute Zukunft in Deutschland geben will.

Dr. Dr. Elisabeth Hackstein

Bild: Mona Schäfer