Heute! Heute leben, glauben, lieben

Heute!
Heute leben, glauben, lieben - das scheint so schwer zu sein, denn heute leiden wir noch immer unter der Corona-Pandemie, wissen nicht, welche Folgen der Ukraine-Krieg für uns hat. Wird die Energie reichen oder sitzen wir im Winter in kalten Wohnungen? Vielleicht rauben uns andere politische, gesellschaftliche oder persönliche nicht vorhersehbare Umstände die Lebensenergie.

Solche ängstlichen Vorstellungen beherrschen das Denken und Handeln vieler Menschen besonders in Westeuropa. Menschen in anderen Weltregionen sind aber schon lange und ständig mit lebensraubenden Verhältnissen konfrontiert und nur mit dem Überleben beschäftigt. Im Heute zu leben ist nicht schwieriger als gestern, auch wenn wir die Vergangenheit gerne verklären. Vor dem Heute in das Morgen zu fliehen, das Heute nur auszuhalten in der Hoffnung, dass das Morgen schon besser werden wird, ist keine Lösung. Es kommt darauf an, das Heute anzunehmen wie es ist und die Aufgaben zu bewältigen, die hier und heute anstehen. Angst ist dabei ein schlechter Ratgeber. Angst schürt das Misstrauen voreinander und lähmt die Bereitschaft, neue Wege zu erproben.

Vertrauen ist die Voraussetzung dafür, gemeinsam intelligente Lösungen zu entwickeln, Risiken einzugehen ohne sofort zu rechnen. Vertrauen wir aufeinander und auf Gott, der uns nicht im Stich lässt. Die ganze Bibel, die Geschichte des Judentums wie die Kirchengeschichte des Christentums belegen, dass wir Gott voll und ganz vertrauen dürfen. Schwierige Zeiten bleiben schwierig aber nicht aussichtslos. Die Krisen in Kirche, Gesellschaft und im eigenen Leben sind Herausforderungen für die Menschheit, die im Vertrauen aufeinander und auf Gott angenommen und bewältigt werden können.

Papst Franziskus rät in einer Ansprache: „Wir sind dazu aufgerufen, das Heute zu leben, einschließlich seiner Widersprüche, Leiden und Nöte - sogar einschließlich unserer Sünden“. Weiter sagt der Papst: „Seid keine Menschen des ewigen Morgens, die sich immer auf andere Zeiten vertagen. Lebt nicht in einem Zustand des ewigen Luftanhaltens, indem ihr euch darauf beschränkt, die Gegenwart zu ertragen und darauf zu warten, dass sie vorübergeht. Sagt nicht: Ja, Herr, morgen, morgen. - Und morgen dasselbe. Ein krankes Morgen!“

Auch der Papst möchte uns Mut machen, Vertrauen zu leben. Glauben heißt vertrauen.

Das ist mein Wunsch am Ende meines Dienstes als Pfarrer und Leiter unseres Pastoralverbundes Büren: Wagen Sie Vertrauen auf Gott und in Menschen. Trotz erfahrener Enttäuschungen ist es das Fundament meines Lebens, das trägt.

Herzlich danke ich Ihnen für Ihr Vertrauen, das Sie mir in den vergangenen 29 Jahren geschenkt haben. Herzlich danke ich für unser gemeinsames Feiern des Glaubens und Lebens, auch für das gemeinsame Ringen oder Durchstehen schwerer Zeiten. Beten wir füreinander und zeigen Sie bitte dem neuen Pfarrer und Leiter und dem dazugehörigen Seelsorgeteam Ihre Unterstützung und ein Wohlwollen, wie es unter Christen üblich ist.

Mit liebevollen Grüßen
Ihr Pfarrer Peter Gede