zur Situation: Immer wieder sonntags ...

„Sonntags zur Kirche gehen hat man sich etwas abgewöhnt in dieser Corona- Zeit. Man hat so seinen Rhythmus, kann einen Gottesdienst im Fernsehen verfolgen - das reicht mir. Ich gehe ab und zu werktags.“ So die Äußerung einer Person, die ich immer zu den ganz Getreuen der Gemeinde gezählt habe. „Ohne das Herrenmahl am Sonntag können wir nicht leben“ – haben Christen ihren Verfolgern im 1. Jahrhundert gesagt und mussten dafür sterben. Sie haben gespürt, dass der Glaube an Gott ihnen eine ganz neue, weite Dimension des Lebens geschenkt hat: Leben über den Tod hinaus, erfülltes Leben schon hier und jetzt - auch im Leid. In Westeuropa scheint bei den meisten Menschen die Meinung zu herrschen, die Kirche oder Gott sei von ihnen abhängig.

Gott braucht Botinnen und Boten für seine Frohe Botschaft auch heute, aber er ist nicht von uns abhängig. Sein Wort und seine Sakramente wirken wie er es bestimmt und nicht wie wir es meinen. Wir dürfen vielmehr dankbar sein für unseren Glauben und ihn freudig miteinander leben. Mich wundern deshalb die Reaktionen, die auf die Veränderungen der Gottesdienstangebote geäußert wurden.

Bestimmt der Gottesdienst den Ablauf des Sonntags oder muss sich die Gottesdienstzeit meinen Gewohnheiten anpassen? Wenn mir mein Glaube wichtig ist und ich im Glauben wachsen will, dann setze ich alles daran, sonntags am Gottesdienst teilzunehmen, um Gott und meinen Glaubensgeschwistern meine Liebe zu schenken. An anderen Orten in der Welt fahren Menschen sonntags 50 bis 100 km, um in Gemeinschaft der Kirche den Glauben zu feiern. Jede Kommunion- und Firmvorbereitung ist zum Scheitern verurteilt, wenn nicht die Erwachsenen den Glauben überzeugend vorleben. Dazu gehört auch der Besuch des Gottesdienstes am Sonntag!

„Alles wirkliche Leben ist Begegnung“ sagt Martin Buber. Wir erleben gerade in der Pandemie, wie stark unser Leben verarmt ohne Begegnung. Ich wünsche mir, dass bedingt durch Corona die Freude an der Begegnung mit Gott und den Menschen in unserem Pastoralverbund wächst, und wir immer mehr eine überzeugende Gemeinschaft werden, die die Gesellschaft zum Guten mitgestaltet. Ohne Gott werden der Mensch und die Gesellschaft immer trauriger, verkrampfter und kälter. Die französische Mystikerin und Schriftstellerin Madeleine Delbrel hat gesagt: „Dem Evangelium gegenüber ist es nicht schlimm, wenn wir zahlenmäßig nur wenige sind, schlimm ist, wenn wir unbeweglich sind oder uns wie Greise fortbewegen.“ Davor möge uns der Heilige Geist bewahren!

Herzlich grüßt Sie Ihr
Pfarrer Peter Gede