Immobilienprozess im Erzbistum Paderborn

Pfarrhaus Steinhausen: Planungsprozess läuft – Entscheidung noch offen

Information - 09.03.2026

Im Zusammenhang mit der Diskussion um das Pfarrhaus in Steinhausen möchten wir als Pastoraler Raum Büren den aktuellen Stand transparent darstellen. Zunächst ist wichtig festzuhalten: Es gibt derzeit keinen endgültigen Beschluss über die Zukunft des Pfarrhauses. Der Kirchenvorstand hat jedoch beschlossen, aufgrund der festgestellten baulichen Mängel die Planungen für einen möglichen Abriss des Pfarrhauses zu beantragen und entsprechende Planungen einzuleiten. Dieser Beschluss bedeutet noch keine endgültige Entscheidung über den Abriss des Gebäudes. Vielmehr wurde damit ein Planungsprozess eröffnet, in dem verschiedene Optionen fachlich geprüft werden.

Dementsprechend werden im Rahmen der Immobilienstrategie des Erzbistums Paderborn in Abstimmung mit dem Erzbischöflichen Generalvikariat mehrere Optionen geprüft: Erhalt, alternative Nutzung, Veräußerung oder Rückbau des Gebäudes. Diese Prüfung erfolgt in enger Abstimmung mit dem Erzbischöflichen Generalvikariat.

Kirchenvorstand und Gemeinderat, dessen Beteiligung im Rahmen der Immobilienstrategie vorgesehen ist, haben sich bereits intensiv mit den baulichen, rechtlichen und finanziellen Rahmenbedingungen beschäftigt. Vor dem Hintergrund der bekannten baulichen Situation erscheint aus heutiger Sicht ein Rückbau des Gebäudes als eine mögliche und aus Sicht des Kirchenvorstands derzeit naheliegende Option. Gleichzeitig wird ausdrücklich betont, dass der weitere Planungsprozess ergebnisoffen geführt wird.

So wurde im Rahmen dieses Planungsverfahrens bereits im Herbst letzten Jahres eine externe fachliche Bewertung der Bausubstanz und möglicher Handlungsoptionen durch ein Ingenieurbüro eingeleitet. Sobald die Ergebnisse dieser fachlichen Bewertung vorliegen, werden wir diese transparent vorstellen und in einer Gemeindeversammlung mit allen Interessierten beraten. Erst danach werden die verantwortlichen Gremien über das weitere Vorgehen entscheiden.

Uns ist bewusst, dass das Pfarrhaus für viele Menschen in Steinhausen mit Erinnerungen, Engagement und persönlicher Geschichte verbunden ist. Dieses emotionale Gewicht nehmen wir sehr ernst.

Gleichzeitig stehen wir vor einer größeren Aufgabe: Die anstehenden Entscheidungen betreffen nicht nur ein einzelnes Gebäude, sondern die Zukunft der kirchlichen Orte und das kirchliche Leben im gesamten Pastoralen Raum Büren, der sich gemeinsam mit dem Dekanat Büren-Delbrück im Rahmen der Immobilienstrategie und des Transformationsprozesses des Erzbistums Paderborn mit weitreichenden Zukunftsfragen beschäftigt.

Unser Ziel ist es, langfristig tragfähige Lösungen zu finden. Bereits in den vergangenen Monaten haben die Kirchenvorstände, Gemeinderäte/-teams und das Pastoralteam im Pastoralen Raum Büren mehrfach zur Beteiligung eingeladen und deutlich gemacht, dass Veränderungen nur im Dialog mit den Menschen vor Ort gestaltet werden sollen.

Dieses Gesprächsangebot gilt weiterhin. Wir laden alle Interessierten ein, sich mit Ideen, Fragen und Perspektiven konstruktiv einzubringen und sich direkt an die verantwortlichen Gremien vor Ort oder an das Pastoralteam zu wenden.

Unser Anliegen ist kein Gegeneinander, sondern ein gemeinsames Ringen um gute Lösungen für die Zukunft. Dies möchten wir in Besonnenheit, mit Transparenz, im gegenseitigen Respekt und im Vertrauen darauf tun, gemeinsam verantwortliche Entscheidungen für die kommenden Generationen zu treffen.

PRESSEINFO - 14.08.2025

Paderborn/Büren. Das Erzbistum Paderborn hat im Sommer 2022 eine umfassende Immobilienstrategie auf den Weg gebracht. Ihr Ziel: eine frühzeitige, nachhaltige und bedarfsgerechte Planung des kirchlichen Gebäudebestands in den Pastoralen Räumen. Hintergrund sind tiefgreifende Veränderungen in Kirche und Gesellschaft: weniger Mitglieder, demografischer Wandel, rückläufige Finanzen. Die klassische Volkskirche hat sich längst gewandelt.

„Die Struktur ergibt sich aus der Pastoral und nicht umgekehrt. Deshalb müssen wir unseren Gebäudebestand grundsätzlich überdenken“, erklärt Pfarrer Christoph Severin, Leiter des Pastoralen Raums Büren mit zehn Kirchengemeinden.

Unterstützt wird dieser Weg durch eine Fach- und Prozessberatung des Erzbischöflichen Generalvikariats. Der Pastorale Raum Büren hat sich 2022 einstimmig dafür entschieden, gemeinsam mit allen Kirchenvorständen und Pfarrgemeinderäten. Der Beginn ist für Ende 2027 geplant, da die Nachfrage im Erzbistum groß ist. Der Beratungsprozess dauert dann rund 15 Monate und endet mit einem tragfähigen Konzept für den gesamten Raum.

Finanzdruck wächst – neue Nutzungskonzepte nötig

„Die Zeit bis dahin untätig verstreichen zu lassen, wäre nicht verantwortbar. Schon jetzt gilt es, Chancen zu erkennen und klug zu handeln“, so Pfarrer Severin. Die Unterhaltung kirchlicher Gebäude wird zunehmend zur finanziellen Herausforderung. „Die Frage stellt sich ganz konkret: Sparen wir bei Gebäuden oder beim Gemeindeleben?“, fragt Anja Werthmann, Verwaltungsleiterin im Pastoralen Raum. Weniger Mitglieder, geringere Einnahmen, fehlende Ehrenamtliche, schwächere Nutzung: all das zwingt zum Umdenken. Hinzu kommen steigende Anforderungen an Energieeffizienz und Nachhaltigkeit.

Erste Schritte im Pastoralen Raum

Einige Gemeinden im Pastoralen Raum Büren haben bereits gehandelt und Chancen genutzt: In Büren kam es zum Verkauf der Vikarie. Die Kirchengemeinde Weiberg/Barkhausen verkaufte das Pfarrhaus und das Pfarrheim. Seitdem nutzt sie gemeinschaftliche Räume im Dorfgemeinschaftshaus mit. In Hegensdorf soll das Pfarrheim abgerissen werden. Dort will die Stadt ein Feuerwehrhaus errichten. Dafür zieht die Kirchengemeinde als Mieterin in das zukünftige dann ehemalige Feuerwehrgerätehaus.

Wie es nun weitergeht, würde die weitere Abstimmung zeigen. „Nach der Anmeldung braucht uns die Wartezeit bis zum Prozessstart nicht abhalten, über die drängenden seelsorglichen, baulichen und finanziellen Fragen nachzudenken und uns weiter auf den Immobilienstrategieprozess vorzubereiten.“ Ziel sei es, bei dem Prozess möglichst viele Gläubige und Interessierte mit einzubeziehen, um ihre Perspektiven und Ideen zu berücksichtigen. „Der öffentliche Austausch ist ein Gewinn für uns. Wir brauchen ihn.“

Zahlen unterstreichen den Handlungsdruck

Die Entwicklung ist deutlich: Zwischen 2012 und 2024 verlor der Pastorale Raum Büren so viele Mitglieder wie die heutige zweitgrößte Gemeinde, Steinhausen, zählt. Auch die Gottesdienstbeteiligung ging im gleichen Zeitraum um mehr als die Hälfte zurück.

Die Gemeinden informieren ihre Mitglieder. Veranstaltungen fanden bereits in Weiberg/Barkhausen, Hegensdorf, Harth, Siddinghausen, Brenken und Weine statt.

Beispiel Steinhausen: Was wird aus dem Pfarrhaus?

In Steinhausen wurde Anfang Juli offen über die Zukunft der kirchlichen Gebäude diskutiert: Pfarrkirche, Kapelle, Pfarrheim und Pfarrhaus. Der Pfarrgemeinderat und der Kirchenvorstand sehen das Pfarrhaus mittelfristig als am wenigsten relevant für das Gemeindeleben an. Denn klar ist: Es wird wohl langfristig kein Priester mehr dort wohnen. Nach aktuellen Prognosen sinkt die Zahl der aktiven Priester im Erzbistum Paderborn von 751 (2023) auf rund 100 im Jahr 2040.

Der Kirchenvorstand stellte nach Rücksprache mit dem Generalvikariat eine Voranfrage zum Abriss des Pfarrhauses. Auf der gut besuchten Gemeindeversammlung wurde dieser Vorschlag kontrovers diskutiert. Einige Anwesende plädierten für den Erhalt oder eine alternative Nutzung. Der Kirchenvorstand verwies auf erhebliche bauliche Mängel und hohe Sanierungskosten. Auch Vermietung oder Verkauf seien aufgrund der Lage direkt an der Kirche kaum umsetzbar. Die Gemeinde ist eingeladen, den Dialog weiterzuführen.

Gebäude als Glaubensorte

„Dass über kirchliche Gebäude emotional diskutiert wird, ist verständlich, aber ebenso notwendig“, sagt Pfarrer Severin. „Wir tragen Verantwortung, jetzt tragfähige Entscheidungen zu treffen.“ Die zentrale Frage laute: Wofür braucht es die Gebäude vor Ort? Was ist für eine lebendige Pastoral, für gelebten Glauben wirklich notwendig?

Kirchen, Pfarrheime und andere Immobilien sind mehr als bloße Gebäude. Sie sind Orte des Glaubens, Orte der Begegnung und der Identität. Ein achtsamer und nachhaltiger Umgang mit ihnen ist Teil einer lebendigen Kirche.

Die Immobilienstrategie des Erzbistums Paderborn ist ein wichtiger Baustein auf dem Weg in diese Zukunft mit Blick weit über das Jahr 2030 hinaus.

Immobilienstrategie und Stufenmodel

Die Immobilienstrategie des Erzbistums Paderborn zielt darauf ab, Kirchengemeinden dazu anzuregen, sich verbindlich mit der Frage auseinanderzusetzen, wie die vorhandenen Gebäude zukünftig sinnvoll und bedarfsgerecht genutzt und unterhalten werden können. Dies umfasst die Prüfung möglicher Anpassungen an den Gebäudebestand, die Zusammenlegung von Funktionen oder sogar die Aufgabe einzelner Standorte. Über die künftige Nutzung der kirchlichen Immobilien entscheiden die verantwortlichen Gremien in den örtlichen Pfarreien des Pastoralen Raumes selbst. Das sind in Abstimmung mit den Pfarrgemeinderäten die Kirchenvorstände.

Die Bezuschussung von Baumaßnahmen durch das Erzbistum Paderborn orientiert sich an der geltenden Förderrichtlinie für Kirchengemeinden in den Pastoralen Räume. Diese enthält ein Dreistufenmodell. Es dient der Einteilung aller kirchengemeindlichen Dienstgebäude in bestimmte Förderstufen. Entsprechend fallen die anzuwendenden Zuschussregelungen aus. Danach sind in der ersten Stufe finanzielle Einsparungen vorgesehen, ohne dass Gebäude dem Verfall preisgegeben werden. Die eingesparten Mittel sollen in der zweiten Stufe die Entwicklung neuer pastoraler Konzepte möglich machen. Mit der dritten Stufe sind Maximalförderungen verbunden, die für ausgewählte Schwerpunktobjekte von besonderer pastoraler Bedeutung bestimmt sind.

 

INFO

Der katholische Pastorale Raum Büren besteht aus zehn rechtlich selbstständigen Kirchengemeinden und ist deckungsgleich mit den kommunalen Grenzen der Stadt Büren. Er umfasst die Kirchengemeinden Ahden, Brenken, Büren, Harth, Hegensdorf, Siddinghausen, Steinhausen/Eickhoff, Weiberg/Barkhausen, Weine und Wewelsburg. 12.336 Katholiken wohnen in Büren, das entspricht 55% der Bevölkerung (Stand Januar 2025).

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